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Kompressionsfaktoren und Codec-Bitraten sind Richtwerte — reale Dateigrössen schwanken stark je nach Bildinhalt (texturlastig vs. monochrom), Codec-Implementation und Encoder-Einstellungen. Für Offerten typisch 20–30 % Sicherheits-Aufschlag.

Bei Offerten und Förderanträgen ist die Frage „wie viel Speicher brauchen wir?” eine der ersten und am häufigsten unterschätzten. Dieser Spickzettel sammelt die Formeln, Konstanten und typischen Codec-Profile für Bild- und Video-Digitalisierungen — und liefert oben einen kleinen Rechner, der die häufigen Fälle direkt berechnet.

Die Werte sind Schätzungen. Reale Dateigrössen schwanken stark mit Bildinhalt, Codec-Implementation und Encoder-Einstellungen. Für Budgets typisch 20–30 % Aufschlag plus Reserve für Master-, Nutzungs- und Sicherungs-Kopien.

Formel — Bilder

Die Grundformel für unkomprimierte Rasterbilder:

Bytes = Breite × Höhe × Kanäle × (Bittiefe / 8) × Kompressionsfaktor
ParameterÜbliche Werte
Kanäle1 (Graustufen), 3 (RGB), 4 (RGBA, CMYK)
Bittiefe pro Kanal8 bit (Standard), 10/12 bit (Mittelklasse), 16 bit (Master)
Kompressionsfaktor1.0 = unkomprimiert; siehe Tabelle unten

Kompressionsfaktoren (Richtwerte)

FormatFaktorEigenschaft
TIFF unkomprimiert1.00Master, archiv-tauglich
TIFF LZW ohne Predictor0.74lossless; verschenkt bei Fotografien den grössten Teil des Effekts
TIFF LZW mit Predictor 20.42lossless; Baseline-TIFF, sehr breit unterstützt
TIFF Deflate/Zip mit Predictor 20.39lossless; Extended TIFF, nicht in allen Empfehlungen zugelassen
PNG0.30–0.60lossless, kein Master-Format
JPEG2000 lossless0.26sparsamste verlustfreie Variante; Formatwechsel
JPEG q=950.20–0.30hochwertige Nutzungskopie
JPEG q=850.10–0.15Standard-Web-Nutzung
JPEG2000 lossy0.10–0.20Nutzungskopie, gleichmässig über Auflösungen

Die vier TIFF- und der JPEG2000-lossless-Wert stammen aus einer eigenen Messung an zwanzig Fotoscans (RGB, 8 Bit pro Kanal, 500–1200 dpi); Herleitung und Nachweis der Verlustfreiheit im Beitrag Archivmaster für Bilder: Formate und Kompression. Der Predictor (TIFF-Tag 317) ist dabei der entscheidende Schalter, nicht die Wahl zwischen LZW und Deflate.

Auflösung aus Vorlage und DPI

Wenn die Pixelmasse aus DPI und Vorlagengrösse abgeleitet werden:

Pixel-Breite = Vorlage-Breite (Inch) × DPI
            = Vorlage-Breite (mm) × DPI / 25.4

Die Memoriav-Mindestanforderungen für den Archivmaster unterscheiden nach Vorlagenart. Es sind Minimalwerte; höher aufzulösen ist ausdrücklich erlaubt. Farbraum in beiden Tabellen Adobe RGB 1998 oder eciRGB_v2, Bittiefe 8 oder 16 Bit pro Kanal.

Durchsicht (Filmnegative, Diapositive, Glasplatten) — zugelassen sind TIFF/unkomprimiert und JPEG 2000/verlustfrei, kein LZW:

VorlageMindest-ppiPixelmass (ca.)16 Bit RGB
Kleinbild 24 × 36 mm48004’535 × 6’803 px≈ 185 MB
Mittelformat 6 × 6 cm20004’724 × 4’724 px≈ 134 MB
Grossformat 4 × 5″ / 10 × 13 cm12004’800 × 6’000 px≈ 173 MB
Glasplatte 13 × 18 cm8004’094 × 5’669 px≈ 139 MB

Aufsicht (Abzüge, Unikatverfahren) — zugelassen sind TIFF/unkomprimiert oder LZW sowie JPEG 2000/verlustfrei:

VorlageMindest-ppiPixelmass (ca.)16 Bit RGB
kleiner als A71000——
A7 bis A5 (z. B. A6)6002’480 × 3’496 px≈ 52 MB
A5 bis A3 (z. B. A4)4003’307 × 4’677 px≈ 93 MB
A3 bis A2300——
grösser als A2200——

Für Durchsichtsvorlagen empfiehlt Memoriav ausdrücklich 16 Bit, weil Negative bei der Ableitung von Nutzungskopien stark im Kontrast bearbeitet werden. Siehe Memoriav-Empfehlungen.

Beispiel-Szenarien — Bild

SzenarioBreite × HöheKanäle × BitFormatPro Bild1’000 Bilder
Glasplatte SW 13 × 18 cm @ 800 dpi 16 bit Grau4100 × 56701 × 16TIFF≈ 44 MB≈ 44 GB
Glasplatte Farbe 13 × 18 cm @ 800 dpi 16 bit RGB4100 × 56703 × 16TIFF≈ 133 MB≈ 133 GB
Negativ KB 24 × 36 mm @ 4800 dpi 16 bit RGB4535 × 68033 × 16TIFF≈ 185 MB≈ 185 GB
dito, verlustfrei gepackt (Deflate + Predictor)4535 × 68033 × 16TIFF≈ 72 MB≈ 72 GB
Print A3 600 dpi 8 bit RGB7020 × 99203 × 8TIFF≈ 199 MB≈ 199 GB
dito als JPEG q=857020 × 99203 × 8JPEG≈ 24 MB≈ 24 GB

Formel — Video

Bei Video ist die Bitrate der dominierende Parameter; alles andere (Auflösung, Bittiefe, Frame-Rate) steckt im jeweiligen Codec-Profil:

Bytes = (Bitrate in bps × Dauer in Sekunden) / 8
      = Bitrate (Mbps) × Dauer (Min.) × 7.5  → MB
      = Bitrate (Mbps) × Dauer (h) × 0.45    → GB

Bitraten typischer Codec-Profile (Richtwerte)

Codec / ProfilAuflösungBittiefeBitratepro Stunde
FFV1 lossless (MKV)HD 1920 × 108010 bit≈ 30 Mbps≈ 13 GB
FFV1 lossless2K 2048 × 155610 bit≈ 50 Mbps≈ 22 GB
FFV1 lossless4K 3840 × 216010 bit≈ 120 Mbps≈ 54 GB
JPEG2000 lossless (MXF)HD10 bit≈ 150 Mbps≈ 67 GB
JPEG2000 lossless4K10 bit≈ 600 Mbps≈ 270 GB
ProRes 422 HQHD10 bit≈ 220 Mbps≈ 99 GB
DNxHR HQXHD10 bit≈ 220 Mbps≈ 99 GB
Uncompressed 10 bit 4:2:2HD10 bit≈ 830 Mbps≈ 370 GB
DV (Mini-DV, DVCAM)SD8 bit25 Mbps≈ 11 GB
H.264 BroadcastHD8 bit≈ 25 Mbps≈ 11 GB
H.264 WebHD8 bit≈ 5 Mbps≈ 2.3 GB
H.265 WebHD8 bit≈ 3 Mbps≈ 1.4 GB

Master-Empfehlungen orientieren sich an den Memoriav-Empfehlungen und IASA TC-05; FFV1 in MKV oder JPEG2000 in MXF sind die de-facto-Archivformate für Video.

Audio — Bitraten

Audio kommt entweder embedded im Video-Container oder als separates File. Pro Spur:

Bytes/s = Sample-Rate × (Bittiefe / 8) × Kanäle
        ≈ 1 / 60     # bei 48 kHz / 24 bit Stereo: 288 KB/s, ≈ 17 MB/min, ≈ 1 GB/h
ProfilBitratepro Stunde
WAV 48 kHz / 24 bit Stereo (Memoriav-Standard)≈ 1.5 Mbps≈ 690 MB
WAV 96 kHz / 24 bit Stereo (höhere Anforderungen)≈ 3.0 Mbps≈ 1.4 GB
WAV 48 kHz / 24 bit 5.1≈ 4.6 Mbps≈ 2.1 GB
FLAC (lossless, je nach Inhalt)≈ 0.7 Mbps≈ 320 MB
MP3 320 kbps0.32 Mbps≈ 144 MB
AAC 256 kbps0.26 Mbps≈ 117 MB

Überschlagsrechnung in der Shell

Wer den Browser-Rechner nicht zur Hand hat, rechnet schnell mit bc oder Python:

# Bild: 4100 × 5670 × 3 × 2 (16 bit) Bytes
echo '4100*5670*3*2' | bc
# 139482000  → ≈ 133 MB

# Video: 150 Mbps × 60 Min in GB
python3 -c 'print(150e6 * 60 * 60 / 8 / 1e9, "GB")'
# 67.5 GB

Was du zusätzlich einplanen solltest

Die Rohrechnung ist der Anfang. Realer Speicherbedarf:

  • Master + Nutzungskopie: typisch zwei Versionen pro Original (z. B. TIFF + JPEG q=85). Faktor ×1.1 bis ×1.5.
  • Geo-Redundanz: zweite Kopie an separatem Standort, dritte ggf. auf Tape oder Cold Storage. Faktor ×2 bis ×3.
  • Backup-Snapshots: je nach Strategie mehrere Stände gleichzeitig. Faktor ×1.2 bis ×1.5.
  • Working Storage: während der Digitalisierung typisch 50–100 % zusätzlich frei für Verarbeitung.
  • Metadaten und Sidecar-Files: PREMIS, METS, BagIt-Manifeste — vernachlässigbar in MB-Hinsicht, aber Datei-Anzahl verdoppelt sich oft.

Eine vorsichtige Faustregel für den Brutto-Bedarf über die Lebensdauer eines AV-Bestandes: rohe Master-Datenmenge × 3 bis × 5.

Verhältnis zu anderen Spickzetteln

  • FFmpeg — das Werkzeug, mit dem reale Bitraten gemessen und Konversionen durchgeführt werden (ffprobe -i datei.mkv)
  • ImageMagick — Bildkonversion und -prüfung
  • ExifTool — Metadaten und technische Eigenschaften ausgelesen
  • OAIS und PREMIS — Rahmen für Master, Nutzungs- und Sicherungs-Kopien